Baum des Jahres 2008

 Baum des Jahres 2008

Die Walnuss (Juglans regia L.)
-  den Menschen ein guter, alter Freund


walnussbaum
 
Warum nun ist jemand stolz und glücklich, wenn auf seinem Grundstück ein Walnussbaum steht? Denn einen weniger attraktiven Baum kann man sich zunächst kaum vorstellen (könnte man meinen): er ist einer der letzten, der im Frühjahr austreibt, noch dazu ohne auffällige Blüten oder sonst etwas Bewegendes. Und er ist der erste kahle Baum im Herbst, wiederum ohne auffällige Herbstfärbung der Blätter und ohne farbige Früchte. Seine Kätzchen sind unauffällig (man muss schon genau hinsehen, um sie überhaupt wahrzunehmen), und seine Früchte sind am Baum auch keine Zierde. Überdies hat er einen untersetzten plumpen Habitus. Sagen manche. 
Aber das kann man ja auch alles genau anders sehen! Denn er hat mindestens zwei Dinge von allerhöchster Qualität zu bieten: das edelste Holz und die besten aller Nüsse. Außerdem bekommt der Baum durch seine silbrige Rinde und seine knorrigen Äste Charakter. Und dass er die Blätter nur so kurz trägt, ist gerade sein Vorteil als Hausbaum. Denn er wirft im Frühjahr erst Schatten, wenn man sich welchen wünscht, und im Herbst lässt er die Sonne genau dann schon wieder durch seine Krone, wenn sie schwächer und angenehm wird. Die Walnuss ist daher der ideale und unübertroffene Hausbaum! Er kommt im Einzelstand am besten zur Geltung.

Der Walnussbaum ist also ein „Hausbaum“ dem Hausbewohner nahe, ein guter alter Freund wie es oben steht. Hausbäume sind manchmal auch Linden und Eichen. Nussbäume entwickeln eine kugelförmige Krone. Bei genauerem Ansehen (am besten ohne Blätter) fällt auf, dass man keinen dominanten Wipfeltrieb finden kann. Stattdessen gibt es eine Rangelei, wer in der Oberkrone das Sagen hat – ohne Ergebnis. Das ist zwar bei vielen Laubbäumen ähnlich, aber beim Nussbaum besonders ausgeprägt: er leistet sich 20 und mehr Wipfeltriebe. Das Höhenwachstum kann in der Jugend trotzdem 1 bis 2 m pro Jahr erreichen, also mit anderen schnellwachsenden Baumarten mithalten.
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Silbrige Rinde
Im Winter fällt seine silbrige Rinde auf, sie kann fast weiß werden. Dagegen sind die jungen Triebe dunkel rotbraun, und die alte schuppige Borke wird auch wieder dunkler. Dadurch entsteht ein markanter Farbkontrast in der Krone. Zudem wirkt der krumme, knorrige Stamm eindrucksvoll. Es gibt fast keinen Walnussbaum mit einem geraden Stamm. Seine maximale Höhe beträgt meist 20 m im Freistand, im Bestand 25-30 m. Sein Höchstalter ist etwa 150 Jahre, kaum mehr. Veredelte (gepfropfte) Bäume werden oft sogar nur 50 Jahre alt.
Der dickste mir persönlich bekannte Walnussbaum steht in der Nähe von Köln und hat einen Stammumfang von
308 cm, also einen Durchmesser von 98 cm (oberhalb der Wurzelanläufe).


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Gekammertes Mark
Interessant: wenn Sie die jungen Zweige schräg anschneiden oder in der Mitte längs aufschneiden, erkennen Sie im Inneren das gekammerte Mark, ein wichtiges Merkmal, dass es sich tatsächlich um einen Nussbaum handelt.

Blattnarbe - Fratze
Und eindrucksvoll sind auch die großen Blattnarben mit einer grinsenden Fratze: beim Abfallen hinterlassen die dicken Blattstiele große Narben auf der Zweigoberfläche, die im Blattstiel befindlichen Leitbündel (zur Versorgung der Blätter mit Wasser und zum Abtransport des Zuckers aus ihnen) reißen dann ab und sind fratzenartig angeordnet.

Gefiederte Blätter
Die Blätter des Nussbaumes sind gefiedert, d.h. an einer Blattspindel, dem verlängerten Blattstiel, sitzen 5-9 Fiederblättchen, die alle zusammen das 20-40 cm große Blatt bilden. Da im Herbst zusammen mit den Fiederblättchen auch die Blattspindeln abgeworfen werden, ist die Verzweigung der Walnuss sehr grob. Denn im Grunde genommen fehlt die feinste Verzweigungsordnung, und man kann die Blätter daher auch als "Wegwerftriebe" bezeichnen. So braucht der Baum keinen Aufwand für ihren Frostschutz zu betreiben.

Austreiben der Blätter
Die Blätter sind beim Austreiben rotbraun gefärbt, daran kann man Nussbäume um diese Zeit gut von weitem erkennen. Sie fühlen sich lederig und etwas ölig-klebrig an, glänzen oberseits matt und duften aromatisch – wenn Sie das genauer wissen wollen, zerreiben Sie ein Blättchen zwischen den Fingern und riechen dran – traumhaft! Auf der Blattunterseite findet man, zumindest an jungen Blättern, viele kleine Drüsen und in den Nervenwinkeln Gabelhaare, die unter einer stark vergrößernden Lupe (50x) schön anzusehen sind.

Blüten des Walnussbaumes
Die männlichen Blüten öffnen sich im April/Mai in bis zu 15 cm langen Kätzchen, die vorher nackt überwintern mussten und deshalb vom Spätsommer bis zum Austreiben immer sichtbar, wenn auch noch kompakt sind.
Dagegen erscheinen die unauffälligen weiblichen Blüten erst beim Austreiben mit den Blättern an den neuen Jahrestrieben, und zwar am Sprossende zu 1-5 zusammen (meist zu zweit).
Die Bestäubung besorgt der Wind, daher kann der Nussbaum auf bunte „Schauapparate“ oder Nektardrüsen zum Anlocken von Insekten verzichten und steckt diesen Aufwand später lieber in seine Früchte.
Die ersten Blüten können schon an 5-jährigen Bäumen auftreten, in größerer Zahl ab dem Alter 10.

Nüsse, die Früchte der Walnuss

Ursprünglich waren die Nüsse ziemlich klein, nur 2 cm groß. Nussbäume wurden aber – wie Äpfel, Birnen und Maronen – von unseren Vorfahren schon seit Jahrtausenden auf größere Früchte gezüchtet, so dass wir die Ursprungsgröße kaum noch zu sehen bekommen und uns an die bis zu 5 cm großen Nüsse gewöhnt haben. Ist ja logisch, denn wer will schon so viele Nüsse knacken, um einen Kuchen zu backen? Rekord ist eine Nuss mit 9 cm Länge und 6 cm Breite, die deshalb auch als Riesenwalnuss bezeichnet wird. Da ihr Inhalt geschmacklich dem aber nicht entspricht, werden solche Nüsse auch Blendernüsse genannt und eher zu Dekorationszwecken verwendet. Größer muss ja nicht immer besser sein.

(Text: A. Roloff)

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